Was ist Sucht? Und was ist der Unterschied zu einer schlechten Gewohnheit?

Die Meinungen und Definitionen, was Sucht ist, gehen weit auseinander. Für mich ist Sucht alles, was wir zwanghaft tun, denken oder fühlen müssen, auch wenn wir es nicht wollen. Also ein Automatismus. Sucht hat eine Entstehungsgeschichte. Der Same der Sucht heißt Gewohnheit.

Auf der Webseite von Caritas ist zu lesen: „Sucht wird verstanden als das zwanghafte Verlangen nach bestimmten Substanzen oder Verhaltensweisen, die Missempfindungen vorübergehend lindern und erwünschte Empfindungen auslösen. Die Substanzen oder Verhaltensweisen werden konsumiert bzw. beibehalten, obwohl negative Konsequenzen für die betroffene Person und für andere damit verbunden sind.“ Quelle

Woran kann ich Sucht erkennen?

Die WHO benennt die folgenden Punkte, die auf eine stoffgebundene Sucht hinweisen:

  • Unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels
  • Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung)
  • Psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge
  • Schädlichkeit für den Einzelnen und oder die Gesellschaft
  • Verlust der Kontrolle über das eigene Verhalten. Quelle

Wenn wir scheinbar keinen Einfluss auf unsere Verhaltensweisen haben, ist Sucht dann eine Krankheit?

Ist Sucht eine Krankheit?

In der Suchtpräventionsarbeit „Keine Macht den Drogen“ ist zu lesen: “Das Wort Sucht hat etymologisch mit dem Wort suchen nichts zu tun, sondern kommt von siechen, also an einer Krankheit leidend.“

Und so sehen das auch viele Experten. Die Idee, dass Sucht eine Krankheit ist, geht auf den New Yorker Arzt, William Ducan (1873 bis 1951) zurück und hält sich bis heute hartnäckig.

Einige Ärzte und Therapeuten schauen über diesen ‚Krankheitstellerrand‘ hinaus und sagen, Sucht ist mitnichten eine Krankheit und es sei falsch, sie als solche zu behandeln.  Betroffene können durch eigene Entscheidungen und eine lohnende Lebensperspektive ihre Sucht überwinden. Das ist eine Frage des Willens. Diese Meinung, die ich teile, stößt immer wieder auf harte Kritik.

Solange ich glaube, ich sei krank, gebe ich die Verantwortung meiner Heilung zumeist in andere Hände. Außerdem ist die Versuchung groß, sich in dieser Krankheitsannahme bequem einzurichten: „Ich bin krank, also kann ich nichts tun.“ Meiner Meinung nach ist eine solche Haltung fatal und beraubt uns unserer Verantwortung und unserer Selbstwirksamkeit.

Was ist Sucht für mich und wonach können wir süchtig sein?

Für mich ist Sucht alles, was wir zwanghaft tun, denken oder fühlen müssen, auch wenn wir es nicht tun wollen. Ein Automatismus, der abläuft und den wir nicht stoppen können.

Ein sich wiederholender Gedanke, der uns erniedrigt und schlecht macht (Denkgewohnheit), ist genauso süchtig wie ein Einkaufszwang (Handlungsgewohnheit) oder ein tägliches Besäufnis (Substanzabhängigkeit).

Somit wird klar, dass sich Sucht auf:

  • Verhaltensweisen
  • Denkenweisen
  • und Substanzen

beziehen kann.

Der Ursprung einer jeder Sucht ist die Gewohnheit.

So kann ein Mensch zum Beispiel süchtig danach sein, sich ständig ängstlich zu verhalten und viel zu leise zu sprechen. Oder er kann nicht aufhören, an ein bestimmtes Ergebnis zu denken. Ständig Süßigkeiten essen kann ebenso eine Sucht sein. Muss, weist immer auf Unfreiheit und Zwang hin. Eine Abhängigkeit besteht, wenn wir etwas tun oder denken müssen, auch wenn wir es nicht möchten. Der Zwang ist stärker als die vorhandenen Möglichkeiten in uns, den Zwang zu verändern.

Ich war viele Jahre süchtig nach Zigaretten und auf mich trafen die genannten Punkte der WHO zu.

Doch das Lesen der Beschreibung über Sucht hat mir nicht geholfen, mich aus meiner Zigarettensucht zu befreien. Auch Krankenkassenkurse, das Buch von Alan Car „Endlich Nichtraucher“, Akupunktur, Nikotinpflaster und Kräuterzigaretten haben mich nicht aus meiner Sucht befreit.

So habe ich einen Zugang gesucht, der mir erklärt, warum ich süchtig wurde und vor allem, wie ich wieder aus dieser Sucht herauskomme.

In meinem Blogbeitrag: »Zigarettenfrei, eine Heldenreise« erzähle ich mehr darüber.

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Ich hatte schon immer einen Hang zu forschen und zu verstehen. Ich liebe es, tiefgründig zu hinterfragen und muss nicht immer den gängigen Meinungen folgen. Dieser Forschgeist hat mir bei meinem Erfassen meiner persönlichen Situation sehr geholfen.

Ich habe mich gefragt, wie Sucht entsteht und habe dabei meinen persönlichen Verständniszugang gefunden, den ich hier gerne erläutern möchte. Mir wurde klar, dass die Sucht selten ein vererbtes Gen ist oder gar über Nacht entsteht. Ich habe erkannt, dass Sucht eine Entstehungsgeschichte hat und dass der Same der Sucht Gewohnheit heißt.

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Was ist eine Gewohnheit?

Gewohnheiten haben für uns viele positive Auswirkungen, da sie uns entlasten. Wie großartig ist es, dass wir wie im Schlaf unsere Lieblingspuppe kochen können. Wie entspannend ist es, dass wir genau wissen, wo unser Lieblingsjoghurt im Laden steht und wir einfach zugreifen. Herrlich, dass wir lesen, schreiben, rechnen und Autofahren können. All das sind dienliche und gute Gewohnheiten.

Im Lexikon der Psychologie von Dorsch steht sinngemäß: „Gewohnheit bezeichnet die erlernte Reaktionstendenz einer Person, in einer bestimmten Situation eine bestimmte automatische Reaktion (meist: Handlung) zu zeigen.

Das Lernen der Situations-Reaktions-Verknüpfung («wenn-dann»-Verknüpfung) erfolgt durch wiederholtes Ausführen der Reaktion (z. B. Zähne putzen) unter den spezifischen Situationsbedingungen (z. B. immer nach dem Frühstück).

Bei Bestehen von Gewohnheiten wird die Reaktion in der spezifischen Situation automatisch, d. h. ohne gezieltes Denken, ausgelöst. Dies führt zu kognitiven Entlastung, da die Auslösung der Reaktion keine bewusste Entscheidung (Intentionsbildung) mehr benötigt.“ Quelle

Was ist eine schlechte Gewohnheit?

ChatGPT definiert eine schlechte Gewohnheit folgendermaßen: „Eine schlechte Gewohnheit ist ein Verhalten oder eine Handlung, die regelmäßig und oft unbewusst ausgeführt wird und negative Auswirkungen auf das körperliche, geistige oder emotionale Wohlbefinden einer Person hat. Diese Gewohnheiten können die Lebensqualität beeinträchtigen, zu gesundheitlichen Problemen führen oder die persönliche Entwicklung behindern. Beispiele für schlechte Gewohnheiten sind Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Prokrastination oder das ständige Überprüfen von sozialen Medien. Oft sind diese Gewohnheiten schwer zu ändern, da sie tief in den Alltag integriert sind und mit bestimmten Auslösern oder Stresssituationen verbunden sein können.“ Quelle

Häufig sind wir uns unserer schlechten Gewohnheiten bewusst. Wir haben auch kein Problem, über unsere schlechten Gewohnheiten zu sprechen. In der Regel verharmlosen wir unsere schlechte Gewohnheit und hoffen, dass das nur so eine Phase ist und das schon wieder vorbeigehen wird. Und tatsächlich kann das auch möglich sein. Es gibt Menschen, die nur in extremen Ausnahmesituationen rauchen und es dann wieder sein lassen können. Oder in tiefer Trauer essen verweigern und dann, nach dem überwundenen Schmerz, wieder ganz normal essen.

Wenn sich eine schlechte Gewohnheit jedoch nicht wieder in Luft auflöst, dann kommt es über lang oder kurz zu einer Vertiefung der schlechten Gewohnheit. Es setzt ein schleichender Prozess ein, der meist unbemerkt bleibt in Richtung Sucht.

Von einer schlechten Gewohnheit zu einer Sucht

Eine schlechte Gewohnheit verfestigt sich unbemerkt sehr häufig. Durch unser unbewusstes Ausführen bestimmter Handlungen wird der Automatismus zunehmend verstärkt. Wir können uns das so vorstellen: aus einem kleinen Pfad, den wir ab und an beschreiten, wird eine Straße, die wir gerne benutzen, da sie so bequem ist. Und dann wird die Straße zu einer Schnelltrasse und schließlich zu einer Autobahn: schnell, vielspurig und immer häufiger in Benutzung.

Das Bild der Autobahn steht für den Automatismus. Immer häufiger und einseitiger benutzen wir unsere Lieblingsstrategie. Wenn wir beispielsweise merken, dass uns Schokolade beruhigt und glücklich macht und wir auf einer Schokoladenautobahn unterwegs sind, dann haben wir immer weniger Zugriff auf andere Verhaltens- und Denkweisen, die uns auch glücklich machen können.

Je mehr wir uns also in Richtung Sucht bewegen, umso einseitiger und eingefahrener wird unser Verhalten. So engen wir uns selbst ein und verlieren nach und nach unsere Wahlfreiheit.

Ich habe ein Schaubild entwickelt, das sehr schön verdeutlicht, wie wir uns stufenweise in Richtung Sucht bewegen, meist ohne das zu bemerken.

Der Weg von einer Gewohnheit zu einer Sucht

Was tun?

Je früher wir bemerken, dass wir uns in Richtung Sucht bewegen, umso einfacher ist es, unserem Verhalten eine neue Richtung zu geben. Ich empfehle dir, das Schaubild genau zu betrachten und zu entscheiden, in welchem der Kreise du dich gerade befindest.

Eine andere Möglichkeit ist, einfach mal für zwei bis vier Wochen auf deinen Suchtstoff zu verzichten. Dann weißt du ganz sicher, wo du gerade stehst.

Lies auch gerne meinen Blogbeitrag: 5 Fragen, die du dir stellen solltest, bevor du eine schlechte Gewohnheit aufgibst.

Die Habit Break Methode

Ich war viele Jahre süchtig nach Zigaretten. In meinen Wechseljahren habe ich phasenweise zu viel Alkohol getrunken. Als ich im Kreis des zwanghaften Tuns angekommen war, zog ich die Reißleine. Ich wollte unter keinen Umständen alkoholsüchtig werden.

Somit habe ich viel Erfahrung auf dem Gebiet Sucht und schlechte Gewohnheiten gesammelt. Ich weiß, wie schwer es sein kann, sich davon zu lösen.

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Ich bin seit vielen Jahren abstinent und kann jedem empfehlen, sich unbedingt aus seinen engen Verhaltens- Denk- und Fühlstrukturen zu lösen.

Das Leben wird dadurch nicht nur gesünder, sondern auch reicher, bunter, freier und einfach schöner.

Meiner selbst entwickelten Habit Break Methode führt dich durch den Ablöseprozess, Schritt für Schritt.

Solltest du Unterstützung benötigen, setze dich gerne mit mir in Verbindung. Klicke auf den Button und schreibe mir eine Mail.

Hat dir mein Blogbeitrag gefallen? Hast du etwas Neues erfahren? Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir einen Kommentar hinterlässt.

Ich trinke begeistert Wasser - auch im Urlaub.
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4 Kommentare zu „Was ist Sucht? Und was ist der Unterschied zu einer schlechten Gewohnheit?“

  1. Pingback: Was ist emotionale Sucht?

  2. Pingback: Befreit von Sucht. Die Geschichte hinter meinem Claim.

  3. Liebe Heike,

    vielen Dank für deinen tiefgründigen und aufschlussreichen Blogartikel über das komplexe Thema Sucht und den Unterschied zu schlechten Gewohnheiten. Deine klare Definition und die ausführliche Erklärung, wie sich Gewohnheiten zu Suchtverhalten entwickeln können, sind sehr wertvoll und bieten eine wichtige Perspektive in einer Diskussion, die oft von Missverständnissen geprägt ist.

    Besonders beeindruckt hat mich, wie du deine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse teilst. Deine Offenheit, sowohl die Herausforderungen als auch die Siege auf deinem Weg zu beschreiben, macht deine Worte umso authentischer. Es ist eine große Hilfe für diejenigen, die ähnliche Kämpfe durchmachen.

    Herzliche Grüße und alles Gute weiterhin auf deinem Weg!
    Pia

  4. Hallo, Heike,
    danke für den Artikel. Ich hadere schon ebenso lange mit dem Krankheitsbegriff, da ich genau so denke. Man gibt die Verantwortung ab. Ich bin froh, zu hören, dass das inzwischen so gesehen wird. Ich vermute, nur von wenigen. Aber immerhin.
    Respekt für Deinen Weg. Und da sind auch so tolle fun facts. Da werde ich weiter stöbern.

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