Ziele schriftlich formulieren. Ist das wirklich nötig?

In meiner Arbeit als freiberufliche Dozentin für BWL begegne ich einem sich wiederholenden Phänomen: Wenn es in der Gruppenarbeit darum geht, Ziele schriftlich zu formulieren, dann tun sich fast alle Studierende schwer.

Ich bin jedes Mal erneut erstaunt. Wir besprechen den Sinn von Zielen und sind uns in der Theorie einig, dass Zielsetzungen sowohl im unternehmerischen als auch im privaten Kontext sinnvoll sind. Dann erkläre ich die SMART Formel als eine mögliche Grundlage für eine sinnvolle Zielformulierung und gebe Beispiele. Doch aus über 14 Jahren Erfahrung kann ich sagen, dass in der Regel nur eine Gruppe von vier Gruppen beherzt ihre Ziele klar und schriftlich zu formuliert.

Es schneit ein kollektives Nichtwissen über klare Zielformulierung zu geben und einen Widerwillen Ziele messbar formuliert aufzuschreiben.

Wer seine Ziele schriftlich formuliert, gewinnt

In einer Harvard Studie heißt es: „Wer seine Ziele schriftlich formuliert, erreicht das zehnfache.“ Obwohl bis heute gestritten wird, ob es diese Studie wirklich gibt, wird die Studie in unzähligen Fachkreisen und Fachbüchern benannt. Eines ist für die Zielexperten sicher: Eine schriftliche Zielformulierung unterstützt unsere Erfolgschancen.

Wenn Zielformulierungen so hilfreich sind, warum formulieren dann nur ca. 3 bis 5% der Menschen ihre Ziele schriftlich?

Was uns abhält, Ziele klar zu formulieren und aufzuschreiben

  1. Wir kennen unsere Ziele nicht.
  2. Wir haben so viele Ideen und so viel Ziele im Kopf, dass wir überfordert sind, eine Liste zu schreiben.
  3. Wir möchten uns nicht festlegen.
  4. Wir glauben, dass Zielfestlegungen uns einengen.
  5. Wir zweifeln an der Wirksamkeit einer schriftlichen Zielformulierung.
  6. Zielformulierungen sind für erfolgsbesessene Spießer.
  7. Ziele setzten, passt einfach nicht in unsere Lebensphilosophie von Freiheit, Selbstbestimmung und Spiritualität.
  8. Wir sagen ganz lapidar, das Leben läuft an mir vorbei, während ich es plane. Das will ich nicht.
Ich bekam diesen Text einmal in Form einer Postkarte zu Geburtstag und war echt betroffen. Sollte ich etwa nicht mehr planen?
  1. Ziele setzen ist was für konservative Angsthasen.
  2. Ziele verhindern Spontanität und Lebendigkeit.
  3. Ziele setzten, macht nur Stress und schränkt mein kreatives Wesen ein.
  4. Wir denken ergebnisoffen zu arbeiten und Ziele setzten, passt nicht zusammen.
  5. Wir haben Angst, dass uns unsere Ziele versklaven.
  6. Wir möchten uns nicht festlegen.
  7. Ziele sind einfach uncool.
  8. Wir schreiben zwar Ziele auf, aber die sind so schwammig und unspezifisch, dass das nichts bewirkt.
  9. Wir würden zwar gerne, haben aber leider keine Zeit. Vielleicht morgen.

Ich lese gerade:„Zu viel tun ist eine einfache Entschuldigung, um keine Ziele zu haben.“ ( Axel Ritterhaus: Targetter)

Oder eine Abwandlung davon:„Ich würde gerne, aber …“.

Was ist dein ABER, das dich abhält? Schreibe es gerne in die Kommentare.

Gute Gründe sind meist Glaubenssätze

Falls du auch zu den ca. 96 Prozent der Menschen gehörst, die keine schriftliche Zielformulierung haben und das gerne ändern möchtest, dann könnte dir die Antwort auf die folgende Frage weiter helfen: „Welche Gedanken halten mich davon ab, meine Ziele schriftlich zu formulieren?“ Schreibe deine Antworten gerne auf!

Sobald du deine triftigen Gründe, die dich davon abhalten, deine Ziele schriftlich zu formulieren, aufgeschrieben hast, solltest du im nächsten Schritt diese Gründe genauer unter die Lupe nehmen. Ich nenne diese Gründe auch gerne Glaubenssätze. Denn häufig sind es „einfach nur“ unsere Gedanken im Kopf, die uns davon abhalten, Ziele zu setzten und zu realisieren. Manche nenne die Glaubenssätze auch den inneren Saboteur oder den ständigen Nörgler oder Blockade. Um mit diesen Widersachern in Kontakt zu kommen und ihnen ihre Vehemenz und Wirksamkeit aktiv zu entziehen, hilft eine weitere Frage hervorragend.

Ist das wirklich wahr, dass schriftlich formulierte Ziele uncool sind?

Die Frage, „Ist es wirklich wahr, dass… ?“ stelle ich mir häufig. In meiner Grundausbildung für The Work von Byron Katie habe ich gelernt, diese Frage tiefgründig anzuwenden. Ist es wirklich wahr, dass ich keine Zeit habe meine Zielliste für mich zu erstellen? Ist es wirklich wahr, dass Ziele mich versklaven und in meiner Selbstbestimmung einengen?

Stelle dir die Frage zu deinen Glaubenssätzen: Ist es wirklich wahr? Und dann gib dir eine ehrliche Antwort.

Du findest deinen Glaubenssatz nicht? Kein Problem. Schreibe mir. Ich bin eine gute Glaubenssatzfinderin. Ich verspreche dir, dass du innerhalb einer Intensivsession mit mir mindestens drei starke Glaubenssätze findest, die dich in deiner Wirksamkeit maßgeblich einschränken.

Finde deine Glaubenssätze und löse dich von ihnen.

Sind Ziele sinnvoll?

Dieses Bild steht in meinen Vorlesungen am Anfang, wenn wir Ziele definieren und untersuchen.

Eine Folie aus meine BWL Vorlesung: Sind Ziele sinnvoll?

Du könntest das Bild für dich als deine inneren Anteile übersetzen, die gemeinsam in einem Boot – in dir- sitzen. Es wird schnell klar, dass diese inneren Anteile, so wie sie auf dem Bild zu sehen sind, nicht gut für dich und deine Ziele arbeiten. Man könnte sie auch als Stimmen und Kommentatoren im Kopf übersetzen, die ständig durcheinander reden und andauernd die Richtung ändern wollen. Am Ende des Tages bist du dann fix und foxi. Du hast wirklich viel gemacht und doch ist in dir das Gefühl, nichts erreicht zu haben. Das ist schade. Denn so untergräbst du deine Wirksamkeit.

Könnte es also doch sinnvoll sein, dir Ziele zu setzen?

  • Ziele, die dir entsprechen und deine Motivation erhöhen.
  • Ziele, die eine Richtschnur für dich sind.
  • Ziele, die dir helfen, deinen Fokus zu halten.
Was spricht für eine schriftliche Zielformulierung?

Was spricht dafür, Ziel schriftlich zu formulieren?

  1. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unser Ziel erreichen, steigt enorm.
  2. Wir haben einen Plan, den wir verfolgen können.
  3. Wir können uns auf das konzentrieren, was uns wichtig ist.
  4. Wir erinnern uns selbst immer wieder an unsere Vorhaben.
Ziele als Weckruf
  1. Wir können mir unserer ganz persönlichen Zielliste wachsen.
  2. Wir üben, Prioritäten zu setzen und das wichtige vom unwichtigen zu unterscheiden.
  3. Wir können schneller und klarer Entscheidungen treffen.
  4. Wir lernen, unsere Wirksamkeit zu erhöhen.
  5. Wir können selbst erforschen, wer oder was unsere inneren Widersacher sind.
  6. Wir lernen uns selbst besser kennen.
  7. Wir können uns liebevoll weiter entwickeln.
  8. Wir haben für uns selbst eigen Mess- und Regulationsinstrumente.
  9. Wir passen unsere Ziele immer mehr an unser Leben an.
  10. Nicht die Ziele formen uns, sondern wir formen unsere Ziele.
  11. Wir lernen Ziele zu formulieren, die uns dienen: Nicht wir dienen den Zielen, sondern die Ziele dienen uns.
  12. Wir erfahren, was unsere guten Gründe sind, uns weiterzuentwickeln.

Es gibt nicht Gutes, außer man tut es

Dieser berühmte Satz stammt von Erich Kästner.

Wenn du bis hierher gelesen hast und denkst, dass es doch mal gut sein könnte deine Ziele schriftlich zu formulieren, dann fang am besten gleich jetzt damit an.

Schreib einfach erst mal alles auf. Egal, was deine innere, strenge Stimme sagt. Kein Ziel ist zu dumm, zu klein oder zu groß. Erst wird alles aufgeschrieben und dann im nächsten Schritt werden deine Ziele systematisiert und unter die Lupe genommen.

Du möchtest wissen, wie du deine Ziele im nächsten Schritt systematisierst und konkretisierst? Dann schreib mir gerne.

Ich trinke begeistert Wasser - auch im Urlaub.
Hier seht ihr mich Urlaub. Mein Ziel, Alkohol-frei zu leben habe ich mir erfüllt.

5 Kommentare zu „Ziele schriftlich formulieren. Ist das wirklich nötig?“

  1. Liebe Heike, das ist ein sehr interessanter und spannender Artikel. Obwohl ich der Meinung bin, dass das aufschreiben der Ziele kraftvoller und erfolgversprechender ist, habe ich doch zum Ergebnis hingefiebert.

    Herzliche Grüße von Anita

  2. Pingback: Was ich im 3. Quartal 2024 vorhabe

  3. Schöner Artikel. Und ich bin ein Befürworter! Ich schreibe meine Ziele auch auf. Ich habe ein Vision Board für die wichtigsten Jahresziele. Das Vision Board ist mein Desktop Hintergrund. Und wenn Ziele schon schon wahr geworden sind, mach ich auch einen Haken dran und lade das Bild neu hoch. Und dieses Häkchen setzen ist für mich Zeit, Revue passieren zu lassen und jeden Erfolg innerlich zu feiern. Aber natürlich gibt es auch immer formulierte Ziele, die ich nie erreiche. Da muss ich wohl noch tiefer bei Dir lesen, wie ich Gewohnheiten ändern kann. Schön, dass ich diese Seite gefunden habe. Liebe Grüße

    1. Liebe Mariett,
      das ist eine gute Idee, ein Visionboard als Desktophintergrund. Da wirst du sicher oft an deine schönen Visionen erinnert. Wenn du Ziele, die du nicht erreichst, wertschätzend unter die Lupe nimmst, erfährst du viel Neues. Ich wünsche dir eine erfolgreiche Forschungsreise.
      Liebe Grüße Heike

  4. Pingback: KW27/2024: Alle TCS-Blogartikel - The Content Society

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen